Musikantenlöwe

18.06.2007 09:00

Die Tanngrindler Musikanten räumten ab: Stummfilmvorführung mit Blasmusik aus Hemau holte den „Musikantenlöwen"

PERSCHEN/HEMAU (gbm/tk). Jetzt ist es amtlich: Die Tannerindler Musikanten sind die Preisträger des „Musikantenlöwen" - einer Glastrophäe für Künstler aus der Region, die den Mut haben, bayerischen Wind in bodenständige Musik zu bringen. In Ebermannshof bei Perschen wurde zum zweiten Mal dieser Preis des Lions Club Oberpfälzer Wald verliehen. Zuvor waren die Tanngrindler in den musikalisehen Wettstreit gegen „d'Blechquetscher" aus Neunburg vorm Wald getreten. Die Hemauer gewannen mit einer experimentellen Stummfilmvorführung mit Blasmusik.

Wenn der Jury die Entscheidung auch schwer viel, letztendlich machten die Tanngrindler Musikanten vor rund 300 Gästen das Rennen. Ihr Konzept war denkbar einfach undauch schon sehr erfolgreich erprobt: „Wir nehmen unsere Melodien und stülpen sie einem ganz anderen Hintergrund über", erläuterte Dr. Frieder Roßkopf in Perschen. Der Hintergrund war der Stummfilm „Romeo und Julia im Schnee" von Ernst Lubitsch. So etwas gibt's mit Sicherheit noch nicht in Deutschland", betonte Roßkopf.

Ihre Premiere hatte die experimenteile Stummfilmvorführung im März im Hemauer Bürgersaal im Rahmen des Kulturstadel-Programms. Das Publikum zeigte sich damals restlos begeistert von dem höchst ungewöhnlichem Konzept, einen Stummfilm mit den Klängen einer Blaskapelle zu vertonen. In Perschen war das jetzt nicht anders.
Dabei hatte es die Musiker um Dr. Frieder Roßkopf zunächst ziemlich überrascht, als sie zu dem Wettbewerb eingeladen worden waren. Doch der Beitrag der bereits mehrfach preisgekrönten Tanngrindler Musikanten passt eben genau in das Konzept des „Musikantenlöwen". Innovative Volksmusik soll dabei gewürdigt werden, das heißt bodenständige und traditionelle Volksmusikgruppen, die neue Elemente mit einbringen. Der Wettbewerb ist noch jung. Erst zum zweiten Mal wurde der „Musikantenlöwe" vergeben. Bei der Trophäe handelt es sich um einen von Christine Säbel gestalteten Glaspreis, der mit 500 Euro dotiert ist. Eines steht aber schon jetzt fest: Die Tanngrindler werden auch bei der dritten Auflage dabei sein; Denn der Sieger darf auch im Folgejahr bei dem musikalischen
Wettstreit aufspielen - dann aber außer Konkurrenz: Die Hemauer Volksmusiker fühlen sich durch den Preis bestätigt. „Das Konzept ist einfach gut", sagt Dr. Frieder Roßkopf im Gespräch mit der MZ. Die experimentelle Stummfilm- Vorführung wird demnächst auch noch in Regensburg zu sehen und zu hören sein.

Die Bodenhaftung werden Hemauer Musiker ob des Erfolges aber nicht verlieren. „Wir wissen sehr gut, was wir können und wollen", betont Roßkopf und hat dabei den „fast archäologischen" Ansatz seiner Kapelle im Blick. Denn den Tanngrindlern geht es vor allem darum, Volksmusik, die früher in der Region gespielt wurde, zu erhalten und weiter leben zu lassen. Diese alte Volksmusik des Tangrintel macht den größten Teil des Repertoires der Blaskapelle aus und eignet sich offenbar hervorragend um einen alten Stummfilm zu vertonen. Entstanden ist die Idee - wie konnte es anders sein - „im Wirtshaus", gestand Roßkopf übrigens bei der Preis Verleihung in Perschen. Der Leiter des Oberpfälzer Freilandmuseums, Dr. Ralf Heimrath und Hans Krug, Präsident des Lions Club Oberpfälzer Wald, überreichten den Hemauern die Trophäe und einen Scheck über 500 Büro. Die zweitplatzierten „Blechquetscher" erhielten' immerhin noch 300 Büro.

Quelle: Mittelbayerische Zeitung, Foto: gbm

Musikantenlöwe 2007 an "Tanngrindler Musikanten" und "D'Blechquetscher" verliehen - Nicht der kleinste Hauch von einem "Musikantenstadl"

"Bühne frei für die Volksmusik!" hieß es am Samstag unter freiem Himmel im historischen Edelmannshof. 300 Besucher genossen einen musikalischen und kabarettistischen Abend unter freiem Himmel im Oberpfälzer Freilandmuseum. Museumsleiter Dr. Ralf Heimrath hatte mit dem Lions-Club Oberpfälzer Wald und seinem Präsidenten Hans Klug, sowie mit Unterstützung durch das Medienhaus "Der neue Tag" zum zweiten Mal den 2006 ins Leben gerufenen Preis des "Musikantenlöwen" für innovative Oberpfälzer Volksmusik ausgelobt.

Der erste Preis mit der Glastrophäe (gefertigt von der renommierten Künstlerin Christine Sabel aus Burglengenfeld) und einem Scheck in Höhe von 500 Euro ging an das Hemauer Oktett der "Tanngrindler Musikanten". Der zweite Preis wurde den vier Musikern "D'Blechquetscher" aus Neumarkt zuerkannt. Als "Pausenfüller" zwischen den Konkurrenten hatte man sich nichts weniger als die Erzhumoristin Luise Kinseher mit ihrem Therapieprogramm "Glück & Co" geleistet, und die Vorjahressieger, das "Trio Collegio" aus Neumarkt hatte mir sanften Zither- und Flötenklängen auf den bemerkenswerten Abend eingestimmt.

Wer jetzt etwa in Richtung "Musikantenstadl" denkt, der irrt sich gewaltig! Keine Spur war da zu finden, von dessen unerträglicher Fröhlichkeit, dem aufdringlichen Remmidemmi, dem verzweifelten Dauerlächeln: im Hof zwischen den strohgedeckten Dächern des Dreiseithofes auf Bierbänken sitzend bekommt man echten Kontakt zur bodenständigen musikalischen Tradition der Oberpfalz. Das soll mit Hilfe des Lions-Clubs anders werden durch den "Musikantenlöwen", der fortan jährlich (immer im März) für Gruppen und Einzelinterpreten ausgeschrieben wird: traditionelle Volksmusik verbunden innovativen Ideen. Setzten die "D'Blechquetscher" (seit 1996 bestehend, geleitet von Christian Ziegler) mit drei Bläsern und einem Akkordeonisten den Schwerpunkt auf Traditionelles, wie einen Zweifachen, so wagten sie auch gekonnt den Sprung über den großen Teich mit einer Oberpfälzer Version von Frank Sinatras "My way", butterweich und kantabel geblasen.

Die "Tanngrindler Musikanten" (bestehen seit 1970, jetzt geleitet von Dr. Frieder Roßkopf) verblüfften dagegen mit einer gewagten, aber überzeugenden Idee: statt der üblichen Klavierbegleitung für Stummfilme plädierten sie in Perschen erstmals für Blasmusikuntermalung. Zu Ernst Lubitschs "Romeo und Julia im Schnee" (1920), der das Shakespeare-Liebesdrama im Schwarzwald handeln und in ein lustiges Happy End münden lässt, wollte das gepflegte Bläseroktett mit schlagkräftiger Trommel und der virtuosen Oberstimme der Klarinettistin Daniela Scheuerer auch nur zu gut passen.

Quelle: http://www.oberpfalznetz.de

 

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