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4 Walzerpartien

N01

Einleitung
Zum 15jährigen Bestehen der Volksmusikkapelle Tanngrindler Musikanten veröffentlichen wir vier zwei- stimmige Walzerpartien aus der Gegend von Regensburg.
Die verwendete Handschrift stammt etwa aus der Zeit um 1860. Sie war für zwei C-Klarinetten bestimmt.
Da leider nur die zweite Stimme erhalten geblieben ist, mußte die Melodie von mir ergänzt werden.
Die Führung der zweiten Stimme genügt nicht immer heute üblichen   Vorstellungen. Die Terz wird   allgemein bevorzugt; Sexten fehlen weitgehend, Quarten erscheinen an ungewohnten Stellungen. Da wir nach Möglichkeit der originalgetreuen Wiedergabe den Vorzug einräumen wollten, wurde die zweite Stimme nur an wenigen Stellen abgeändert. Diese Notenumstellungen sind am Ende jeder Partie tabellarisch wiedergegeben.
Die Handschrift könnte wie weitere Notenhefte, die in unseren Besitz gelangten, aus Regensburg stammen. Sicherlich befand sie sich längere Zeit im Besitz des approb. Baders und Musikers Joseph Härtl aus Regendorf, der um 1915 ein umfangreiches handschriftliches Repertoire für Klarinette und Geige anlegte. Durch den Klarinettisten der Tanngrindler Musikanten, Rudolf Weinzierl aus Etterzhausen, gelangte die Handschrift in meine Hände. Für vielfache Unterstützung haben wir Dank zu sagen. Der Vorstand der Liedertafel Hemau, Hans Seiberl, gestaliete handschriftlich das ansprechende Notenbild. Der Bezirksheimatpfleger der Oberpfalz, Dr. A. J. E ichcnseer, unterstützt durch sein Büro, gewährte uns vielfache Unterstützung. Der Bayerische Landesverein für Heimatpflege e.V. gewahrte finanzielle Hilfe bei der Herausgabe des Notenheftes.
Für erfahrene Musikanten dürfte es ein Leichtes sein, die Noten auf geeignete Tonarten umzusetzen und eine brauchbare Begleitung zu finden. So wünschen wir allen Oberpflälzer Volksmusikfreunden viel Freude an diesen echten, oberpfälzern Walzern.
Hemau, 22. Dezember 1985
Dr. German Roßkopf

Geleitwort
Wenn der tüchtige Apotheker von Hemau, Dr. German Roßkopf in seiner Freizeit begeisterter Botaniker und Musikant, nun diese Volksmusiksammlung vorlegt, so hebt er sich von den gegenwärtigen fleißigen und durchaus verdienstvollen Volksmusikern in der Oberpfalz in vielerlei Hinsicht ab: Seit 15 Jahren bemüht er sich darum, möglichst originale Volksmusik aus seiner engeren Heimat, dem Tanngrindl wieder zu entdecken und zu spielen und nicht jene "neue" Volksmusik zu pflegen, die aus allen Gegenden Bayerns vorwiegend aus Oberbayern, seit geraumer Zeit importiert wird und die man heute landauf landab auf den Bühnen vorgeführt bekommt. German Roßkopf lag stets die Fortsetzung der Hemauer Volksmusik d.h. der   bäuerlich-dörflichen Tanzbodenmusik am Herzen, und dies bedeutete für   ihn Suchen nach alten Handschriften, Anknüpfen an die örtliche Tradition in Material, Besetzung, Spielpraxis und ursprünglichen Funktionen.
Dieses konsequente und unermüdliche Bestreben um möglichst bodenständige Volksmusik hat sich letztendlich auch gelohnt: Roßkopf hat in 15 Jahren seine Musikkapelle zu einer der bekanntesten und begehrtesten Oberpfälzer Tanzmusiken herangezogen und besitzt daneben ein reiches Volksmusikarchiv mit vielen Handschriften aus dem 19. und angehenden 20. Jahrhundert, dessen Bestände er auch mit anderen teilt, etwa mit dem Oberpfälzer Volksmusikarchiv in Regensburg oder dem Institut für Volksmusik in München.
Wenn Roßkopf nun vier zweistimmige Walzerpartien mit insgesamt 92 sechzehntaktigen Stücken herausbringt, so leistet er damit einen äußerst wertvollen Beitrag zur Erhaltung und Verbreitung autochthonen ober- pfälzischen Musikgutes, was beispielhaft zu bezeichnen ist. Denn viele alte Kapellmeister hüten ihre Noten wie Schätze, wollen jedoch andere nicht daran teilhaben lassen. Nicht so German Roßkopf! Er stellt seine mit großem Engagement erarbeiteten Walzer für alle Interessierten zur Verfügung und freut sich wenn sie auch von anderen Kapellen in der oder jener Besetzung, auf die oder jene Art wieder musiziert werden.
Ich begrüße es außerordentlich, daß die Stücke nur zweistimmig erscheinen. Unsere rein auf Noten fixierten Musikanten von heute müssen unbedingt lernen, zu den Melodiestimmen Baß und Begleitung und evtl. Nebenstimmen s e I b s t zu finden. Nur so werden diese Stücke lebend ig werden und bleiben und sich individuell bei den freimusizierenden Ensembles weiterentwickeln. Rudolf Weinzierl, dem Entdecker der Noten und dem Herausgeber, Dr. Roßkopf, ist für diese mustergültige Arbeit auf dem Gebiet der traditionellen Oberpfälzer Musik herzlich zu danken. Es bleibt nur noch zu hoffen, das sich möglichst viele praktizierende Musiker in den verschiedensten Besetzungen dieser Melodien annehmen, an ihnen Gefallen finden und sie in der ungezwungenen, souveränen Art unserer früheren bäuerlich-dörflichen Musikanten zur Freude vieler Mitmenschen aufspielen, sei es zur Unterhaltung oder zum Tanz.
Dr. Adolf J. Eichenseer
Bezirksheimatpfleger der Oberpfalz

4,95

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